
Angina pectoris (lateinisch Brustbeklemmung) ist das Leitsymptom der koronaren Herzkrankheit. Die koronare Herzkrankheit ist ein chronischer Erkrankungsprozess im Bereich der Herzkranzarterien, der uns das ganze Leben begleitet, aber in Abhängigkeit vom Vorhandensein kardiovaskulärer Risikofaktoren (z. B. männliches Geschlecht, Zigarettenrauchen, Diabetes mellitus, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen) und familiärer Vorbelastung individuell unterschiedlich rasch verläuft.
Die koronare Herzkrankheit, im Folgenden mit KHK abgekürzt, führt zu „Plaque-Ablagerungen“ in den Herzkranzarterien. Diese „Plaques“ sind in einem frühen Entwicklungsstadium sehr Fett-/und Cholesterin-reich, im Verlauf ändert sich die Zusammensetzung der Plaques, sie werden Zell-/und Bindegewebs-reicher, in einem späten Stadium kommen Verkalkungen dazu.
Die Herzkranzgefäße sind wie ein Baum, der sich mit seinen Ästen ständig weiter aufgabelt. Obwohl Plaques sich in allen Abschnitten des Herzkranzgefäßsystems entwickeln könnten, treten sie bevorzugt in den großen „Ästen“ auf, insbesondere in dem Bereich von Aufzweigungen. Möglicherweise spielen bei der Lokalisation von Plaques auch strömungsmechanische Faktoren eine Rolle.
Eine wichtige Erkenntnis war, dass sich Plaques über Jahre und Jahrzehnte bilden können, ohne dass dies zu Beschwerden führen muss. Mit der Plaque-Entwicklung kann sich an der betroffenen Stelle das Herzkranzgefäß sozusagen „kompensatorisch“ erweitern, also trotz Vorhandensein von Plaques bleibt der Blutfluss unbeeinträchtigt. Dieses Phänomen erklärt, warum viele an der KHK erkrankten Menschen lange Zeit beschwerdefrei sind, und erst mit dem Auftreten einer Komplikation die Diagnose KHK gestellt wird.
Erschöpft sich der Kompensationsmechanismus, führt eine Zunahme der Plaquedicke bzw. Plaquemasse dann zu einer zunehmenden Einengung des Koronargefäß-Lumens. Wird das Lumen eines Koronargefäßes um mehr als 50% eingeengt, kommt es unter körperlicher Belastung zu Durchblutungsstörungen desjenigen Abschnittes des Herzmuskels, der von dem betroffenen Herzkranzgefäß mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Die lokal begrenzte Durchblutungsstörung am Herzen erzeugt dann ein „Mißempfinden“, welches mit den Begriffen Brustbeklemmungsgefühl oder Brustenge am Besten zu beschreiben ist – die Angina pectoris. Ist das Herzkranzgefäß um mehr als 90% eingeengt, stellen sich Angina pectoris Beschwerden bereits auch unter Ruhebedingungen ein. Dieses Krankheitsgeschehen wird stabile Angina pectoris genannt, die typischen Beschwerden werden durch einen unversehrten Plaque verursacht, das Beschwerdebild ist reproduzierbar und über einen längeren Zeitraum berechenbar.
Eine weitere wichtige Beobachtung ist, dass Plaques aufgrund ihrer Zusammensetzung mechanisch nicht stabil sind, sondern auch einreißen können („Plaque-Ruptur“). Der Einriss erfolgt in Richtung des Gefäßlumens, Bestandteile des Plaques (insbesondere das Bindegewebe) kommen mit dem strömenden Blut in Kontakt. Die Blutplättchen im strömenden Blut reagieren unmittelbar auf diesen Kontakt und verklumpen bzw. bilden ein Blutgerinsel. Teile des Blutgerinsels können abreißen, und verstopfen im weiteren Verlauf das Koronargefäß oder können an Ort und Stelle zu einem plötzlichen Verschluss des Koronargefäßes in Höhe des rupturierten Plaques führen. Mit dem Verschluss eines Koronargefäßes wird der betroffene Herzmuskel nicht mehr mit Blut ausreichend versorgt, er beginnt nach ca. 30 Minuten abzusterben. Dieses Szenario wird akutes Koronarsyndrom und die damit verbundenen Brustbeschwerden werden instabile Angina pectoris genannt. Der irreversible Untergang von Herzmuskelgewebe wird als akuter Herzinfarkt definiert.
Die Unterscheidung zwischen stabiler und instabiler Angina pectoris ist sehr wichtig – das letztere Beschwerdebild ist Ausdruck eines akuten Koronarsyndroms und kann jederzeit in einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt übergehen. „Verdächtig“ für das Vorliegen einer instabilen Angina pectoris sind folgende Umstände:
Bei Verdacht auf eine instabile Angina pectoris muss ohne Zeitverlust eine Abklärung in einem Krankenhaus am Besten mit einer spezialisierten Einrichtung wie Chest Pain Unit (Herzschmerz-Ambulanz) erfolgen.