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Hypertensiologie in der Kardiologie

Der Bluthochdruck ist eines der häufigsten Krankheitsbilder in der Kardiologie. Allein die symptomatischen Blutdruckentgleisungen (hypertensive Krisen) machen mit mehreren hundert Fällen pro Jahr einen großen Teil der internistischen Notfälle in unserem Krankenhaus aus. In Deutschland gibt es ca. 25 Millionen Bluthochdruckpatienten. Bei vielen von Ihnen gestaltet sich die medikamentöse Blutdruckeinstellung schwierig. Die Folge sind häufige Arztbesuche, Blutdrucknotfälle und Folgeerkrankungen wie der Schlaganfall.

Nach neueren Erkenntnissen liegen gerade bei Patienten mit kompliziertem Blutdruck häufig sogenannte sekundäre Ursachen zugrunde. Dabei handelt es sich um andere, gezielt behandelbare Erkrankungen, die den Blutdruck auslösen bzw. verschlimmern.

In der Kardiologie des St. Josef Hospitals haben wir ein neues, standardisiertes Konzept zur Blutdruckdiagnostik entwickelt und etabliert, in dem die häufigen „sekundären Ursachen“ erkannt bzw. ausgeschlossen werden. Auf diese Weise bieten wir dem Patienten eine differenzierte Blutdruckdiagnostik mit dem Ziel einer individuellen, erfolgreichen Therapie.

Wenn Sie an diesem sogenannten "RR-Screening" teilnehmen werden, können Sie hier eine Patienteninformation herunterladen, in der wir Sie detailliert über den Ablauf des Abklärungsprogrammes informieren.

Nierenarterienstenose als Ursache der Hypertonie

Mit der Dopplersonographie kann der Blutfluss am Abgang der Nierenarterie und in derern Verlauf gemessen werden. Auf diese Weise können kritische Verengungen (Nierenarterienstenosen) entdeckt werden.

Gerade bei Patienten mit Koronarer Herzerkrankung und Hypertonie kommt die Nierenarterienstenose überdurchschnittlich häufig vor. Dabei handelt es sich um eine, die Nierenarterie einengende Verkalkung. Bei hochgradigen Verengungen (> 70%) kann eine Blutdruckerhöhung und eine Verschlechterung der Nierenfunktion die Folge sein. Durch neue Studien auf diesem Gebiet kennt man heute klinische Faktoren für diese Erkrankung, mit Hilfe derer Risikopatienten erkannt und der weitergehenden Diagnostik zugeführt werden können. Durch eine gezielte Ultraschalluntersuchung der Nierenarterien wird im St. Josef Hospital eine Nierenarterienstenose mit hoher Sicherheit diagnostiziert bzw. ausgeschlossen.

Wenn eine hochgradige Nierenarterienstenose vorliegt, so kann bei therapierefraktärem Bluthochdruck mittels Gefäßkatheter über die Leiste ein Stent implantiert werden. Dies führt häufig zu einer Verbesserung des Blutdruckes (weniger Medikamente, weniger Blutdruckentgleisungen) und kann sich positiv auf die Nierenfunktion auswirken.

 

Stentimplantation bei Nierenarterienstenose: Diese Bilder zeigen eine hochgradige Nierenarterienstenose (1. Bild). Im 2. Bild sieht man, wie die hochgradige Verengung nach Implantation eines Stents wieder vollständig erweitert wurde. Mittels Ultraschall können die behandelten Arterien kontrolliert werden.

Das obstruktive Schlafapnoesyndrom und Bluthochdruck

Schnarchen und nächtliche Atempausen sind weit verbreitet. Seit einigen Jahre ist bekannt, dass sowohl das nächtliche, schwerwiegende Schnarchen, als auch zusätzliche Atempausen, sogenannte Apnoen ein eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor sind (Fachbegriff: obstruktives Schlafapnoesyndrom, OSAS). Der durch das Schlafapnoesyndrom verursachte, ständige Sauerstoffmangel im Blut führt zu dauerhaftem Stress, der auch tagsüber anhält. Dadurch kommt es sowohl zur Blutdruckerhöhung, als auch zur erhöhten Herzinfarktgefahr. Die nächtliche Beatmung über eine Nasenmaske kann die normale Schlafstruktur wieder herstellen und sowohl Blutdruck, als auch das Infarktrisiko senken. Zu einer konsequenten, leitliniengerechten Hypertonieabklärung gehört daher eine professionelle Schlafdiagnostik. Diese ist standardmäßig im Blutdruck-Screeningprogramm in unserer Abteilung enthalten.

Einfluss des obstruktiven Schlafapnoesyndroms auf den Blutdruck: Bei diesem Patienten kommen die Apnoen fast nur in Rückenlage vor. (Bildausschnitt oben). Sobald ein Lagewechsel in die Rücklage erfolgt, beginnen ständige Atempausen, jeweils mit Sauerstoffentsättigung im Blut. In der nächtlichen Übersicht der Schlafdiagnostik kann man den Anstieg des Blutdruckes in Rückenlage genau erkennen, der durch die Apnoen ausgelöst wird. Dieses Patientenbeispiel demonstriert eindrücklich die blutdrucksteigernde Wirkung der nächtlichen Atempausen.

Hormoneller Bluthochdruck, der Hyperaldosteronismus

Häufigkeit des sog. Primären Hyperaldosteronismus (Fälle/Jahr) in Abhängigkeit vom Suchtest (Screeningverfahren) in den Jahren 1970–1991 im Universitätskrankenhaus von Brisbane, Australien (modifiziert nach Gordon et al.. – aus Reincke M. Deutsches Ärzteblatt 2004). Bei der schrittweisen Umstellung auf den neuen Suchtest (Aldosteron-Renin-Quotient) wurden schließlich Hypertoniepatienten standardisiert und unselektiv untersucht. Dabei zeigte sich ein mehr als 5-fach erhöhtes Vorkommen des Hyperaldosteronismus.

Schon lange ist bekannt, dass das körpereigene Hormon Aldosteron einen Bluthochdruck auslösen kann, wenn es unkontrolliert von der Nebenniere ausgeschüttet wird. Bis vor kurzem ging man allerdings davon aus, dass nur wenige Hypertoniker von dieser Art des sekundären Bluthochdrucks betroffen sind. Wie durch neuere Studien bekannt wurde, ist der Anteil des so genannten primären Hyperaldosteronismus gerade beim schwer einstellbaren Bluthochdruck weitaus häufiger. Mit sogenannten Aldosteronantagonisten (z.B. Spironolacton) kann man diese Erkrankung häufig gezielt medikamentös behandeln während andere blutdrucksenkende Mittel wirkungslos sind.

Mit Hilfe von neuen Suchtests (Aldosteron-Renin-Quotient) und Bestätigungstests kann im Rahmen eines komplexen Diagnostikalgorhythmus eine sichere Diagnose gestellt werden. Aufgrund der Komplexität dieser endokrinologischen Diagnostik werden Blutdruckpatienten bisher nicht in ausreichender Zahl untersucht. Man vermutet, dass bis zu 500.000 Hypertoniker mit unerkanntem Hyperaldosteronismus in Deutschland leben.

Daher sind standardisierte Screeningsysteme gefragt, die eine so komplizierte Stufendiagnostik anwendbar machen. Das im St. Josef Hospital entwickelte und angewendete Screeningsystem für Bluthochdruckpatienten beinhaltet eine solche Diagnostik bis hin zum Bestätigungstest, so dass am Ende des Aufenthaltes eine klare Diagnose gestellt werden kann.