
Schlaganfälle entstehen meist durch plötzlichen Durchblutungsverlust einer Hirnregion, seltener durch Blutungen im Gehirn, und werden meist von älteren Patienten infolge von Blutgerinnselbildung in verkalkten Gehirnblutgefäßen erlitten; diese Ursache macht etwa vier Fünftel der Schlaganfälle aus. Bei einem Fünftel der Patienten jedoch kommt es zu einer Verschleppung von Blutgerinnseln aus dem Herzen über den Blutstrom in das Gehirn mit resultierendem Gehirngefäßverschluss; die Blutgerinnsel entstehen in Regionen des Herzens, in denen aufgrund einer Herzerkrankung der Blutfluß deutlich verlangsamt ist und daher das Blut die Möglichkeit hat, zu gerinnen, z.B. bei Rhythmusstörungen oder nach ausgedehntem Herzinfarkt. Bei einem Teil der Patienten mit Schlaganfall sind jedoch alle diese Ursachen nicht zu diagnostizieren; weder können Gefäßverkalkungen oder die Risikofaktoren hierfür nachgewiesen werden (Rauchen, Bluthochdruck, Blutfetterhöhung, Zuckerkrankheit), noch bietet die Herzuntersuchung Anhalt auf mögliche Blutgerinnselbildung; man spricht bei diesen Patienten von einem Schlaganfall ungeklärter Ursache.
Diese Schlaganfälle ungeklärter Ursache betreffen vor allem jüngere Menschen. Die eingehende Untersuchung dieser jungen Patienten hat den Schluß nahegelegt, dass eine kleine Öffnung in der Vorhofscheidewand Ursache für eine Blutgerinnselverschleppung aus den Venen des Beins zum Gehirn sein kann. Diese kleine Öffnung, das Foramen ovale, ist für jedes ungeborene Kind überlebenswichtig: es erlaubt eine Kreislauffunktion im Mutterleib unter Aussparung der noch nicht atmenden Lunge. Nach der Geburt verschließt sich dieses Loch bei etwa drei Viertel der Menschen, bei einem Viertel bleibt es offen. Dieses kleine Loch in der Vorhofscheidewand ist für die Kreislauffunktion erwachsener Menschen völlig unbedeutend, es erlaubt jedoch den Übertritt kleiner Mengen von Blut zwischen rechter und linker Herzseite. Blutgerinnselbildung in den Beinvenen, die Thrombose, ist ein sehr häufiges und oft unerkanntes Krankheitsbild. Bewegen sich diese Gerinnsel aus dem Bein zum Herzen, werden die Gerinnsel normalerweise von der rechten Hälfte des Herzen zur Lunge weitergeleitet, wo sie meist kleine nicht wahrgenommene Gefäßverschlüsse bewirken, nicht verspürte Lungenembolien. Bei einem Blutübertritt vom rechten zum linken Herzen über eine verbliebene Öffnung in der Vorhofscheidewand reicht jedoch bereits ein winziges Gerinnsel aus, um einen Schlaganfall zu verursachen, wenn das Gerinnsel vom linken Herz weiter zum Gehirn gefördert wird.
Diese kleine Öffnung in der Vorhofscheidewand ist zwar bei einem Viertel aller Menschen zu finden, jedoch wird sie bei Patienten mit ungeklärtem Schlaganfall dreimal häufiger nachgewiesen und als mögliche Schlaganfallursache angeschuldigt. Besondere Charakteristika machen diese Annahme noch wahrscheinlicher: ein kräftiger Blutübertritt von der rechten in die linke Herzhälfte bei der Ultraschalluntersuchung des Herzens, eine besonders bewegliche Vorhofscheidewand (Vorhofseptumaneurysma) sowie das Fehlen anderer Schlaganfallursachen bei für das Krankheitsbild Schlaganfall „jungen“ Patienten: Patienten unter fünfundfünfzig Jahren ohne die oben erwähnten Risikofaktoren für Gefäßverkalkung. Bei diesen Patienten ist der Verschluss der Öffnung der Vorhofscheidewand empfohlen, wenn es trotz blutverdünnender Medikamente zu einem zweiten Schlaganfall gekommen ist oder wenn nach einem Schlaganfall aus anderen medizinischen Gründen eine Blutverdünnung nicht durchgeführt werden kann.
Der Verschluss der Vorhofscheidewandöffnung wird im Herzkatheterlabor mit einer örtlichen Betäubung über die Beinvene in der Leiste durchgeführt. Über einen Kunststoffschlauch (sog. Katheter) wird unter Röntgendurchleuchtung (Abb. 3) und unter Ultraschalldarstellung ein sich selbst entfaltendes Doppelschirmchen (Abb. 1 und 2) so im Herzen eingesetzt, dass das eine Schirmchen im linken Vorhof (Abb. 4 und 5), das andere Schirmchen im rechten Vorhof zu liegen kommt (Abb. 6 und 7) und der die Schirmchen verbindende Steg durch die Vorhofscheidewandöffnung zieht. Das Schirmchen besteht aus einem weichen Drahtgeflecht und wächst über wenige Monate in die Herzwand ein. Dieses Wachstum bewirkt dann den endgültigen Verschluss der ursprünglichen Öffnung.