
Die Angina pectoris kann sich sehr variabel präsentieren, sowohl hinsichtlich der Lokalisation als auch des Beschwerdebildes (Abbildung 1). In etwa 70% der Fälle wird sie hinter dem Brustbein (retrosternal) verspürt, in etwa 30% der Fälle sind die Beschwerden in den linken Arm ziehend. Aber auch andere Lokalisationen werden verspürt, wie linke oder rechte Brust, im Hals, in der Magengrube, oder zwischen den beiden Schulterblättern. Die Angina pectoris wird von vielen Betroffenen nicht als „starker Schmerz“ wahrgenommen, vielleicht treffen Begriffe wie „Beklemmungsgefühl, Brustenge, starker Druck, Reif um den Brustkorb“ für viele eher das Beschwerdebild. Die Beschwerden sind nicht punktuell, sondern eher „flächig“, sie können nicht durch Druck auf die Rippen ausgelöst werden. Häufig geht die Angina pectoris mit einem Angstgefühl und vagalen Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schweiß-Ausbruch einher, oder mit den Beschwerden einer akuten Pumpschwäche des Herzens wie Luftnot.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Beschwerdebild eines Herzinfarktes ist, dass die stabile Angina pectoris unter Ruhebedingungen oder nach Gabe von Nitro-haltigen Medikamenten (Nitro-Spray oder Nitro-Kapseln) innerhalb von wenigen Minuten vollständig reversibel ist. Dauern Angina pectoris Beschwerden länger als 20 Minuten an, muss an einen Herzinfarkt gedacht werden.
Als klinisch brauchbar hat sich eine Klassifikation der Angina pectoris in „typisch, atypisch und nicht-kardial“ erwiesen:
Typische Angina pectoris
Atypische Angina pectoris
Verdacht auf nicht-kardialer Brustschmerz
Wichtig zu erwähnen ist, dass eine atypische Angina pectoris bei einzelnen Patientengruppen gehäuft beobachtet wird, zum Beispiel bei Frauen oder bei Patienten mit einer diabetischen Neuropathie.