European Heart Meeting 11
Bericht ESC Meeting 2010
Vortrag Update 1-2012
Neue Score-Systeme
Gesammelte Fakten
Stabile Angina pectoris
Beschwerdebild
Diagnostik
Therapie
Literatur zum Thema
Thrombozytenfunktion
Herzinfarkt = Notfall
Schlafstörung
Kardiomyopathieambulanz
Heart Safe Hospital

Das Beschwerdebild Angina pectoris

Abbildung 1

Die Angina pectoris kann sich sehr variabel präsentieren, sowohl hinsichtlich der Lokalisation als auch des Beschwerdebildes (Abbildung 1). In etwa 70% der Fälle wird sie hinter dem Brustbein (retrosternal) verspürt, in etwa 30% der Fälle sind die Beschwerden in den linken Arm ziehend. Aber auch andere Lokalisationen werden verspürt, wie linke oder rechte Brust, im Hals, in der Magengrube, oder zwischen den beiden Schulterblättern. Die Angina pectoris wird von vielen Betroffenen nicht als „starker Schmerz“ wahrgenommen, vielleicht treffen Begriffe wie „Beklemmungsgefühl, Brustenge, starker Druck, Reif um den Brustkorb“ für viele eher das Beschwerdebild. Die Beschwerden sind nicht punktuell, sondern eher „flächig“, sie können nicht durch Druck auf die Rippen ausgelöst werden. Häufig geht die Angina pectoris mit einem Angstgefühl und vagalen Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schweiß-Ausbruch einher, oder mit den Beschwerden einer akuten Pumpschwäche des Herzens wie Luftnot.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Beschwerdebild eines Herzinfarktes ist, dass die stabile Angina pectoris unter Ruhebedingungen oder nach Gabe von Nitro-haltigen Medikamenten (Nitro-Spray oder Nitro-Kapseln) innerhalb von wenigen Minuten vollständig reversibel ist. Dauern Angina pectoris Beschwerden länger als 20 Minuten an, muss an einen Herzinfarkt gedacht werden.

Als klinisch brauchbar hat sich eine Klassifikation der Angina pectoris in „typisch, atypisch und nicht-kardial“ erwiesen:

Typische Angina pectoris

  • retrosternales Druck- oder Engegefühl
  • unter körperlichen oder emotionalen Stress auftretend
  • vollständig reversibel unter Ruhe oder Gabe von Nitraten

Atypische Angina pectoris

  • nur zwei der Kriterien treffen zu

Verdacht auf nicht-kardialer Brustschmerz

  • nur ein oder kein Kriterium trifft zu

Wichtig zu erwähnen ist, dass eine atypische Angina pectoris bei einzelnen Patientengruppen gehäuft beobachtet wird, zum Beispiel bei Frauen oder bei Patienten mit einer diabetischen Neuropathie.